Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

im Südkurier am 25.6.2016

Einstimmung auf Jubiläum

Spannender Vortrag über Grafschaft Hauenstein
Heinrich Dold gibt Einblicke in unruhige Zeiten

Herrischried Grafschaft Hauensteinvon Reinhard Herbrig

Rotzel – Mit seinem Vortrag über die Grafschaft Hauenstein, die aus acht Bezirken (Einungen) bestand, von der Rotzel in der Einung Hochsal liegt, stimmte Alt-Redmann Heinrich Dold am Donnerstagabend in der „Sonne“ in Rotzel in die 750-Jahr-Feierlichkeiten von Rotzel ein. Einungsmeister von Hochsal, Claus Tröndle, begrüßte 35 Gäste, unter denen sich Bürgermeister Ulrich Krieger, Ortsvorsteher Manfred Ebner und der neue Redmann und Einungsmeister von Dachsberg-Wolpadingen, Norbert Schäuble, befanden.

Wegen der unruhigen Zeiten, in denen Raubüberfälle und Plünderungen an der Tagesordnung waren, sahen sich die acht Einungen, Rickenbach, Murg, Hochsal, Görwihl, Dogern, Birndorf, Höchenschwand und Dachsberg genötigt, selbst für Recht und Ordnung zu sorgen, denn durch die Streitigkeiten der Habsburger, nach dem Tod von Rudolf von Habsburg im Jahre 1291, mit den Herzögen von Bayern und Nassau, kümmerten sich die Habsburger kaum noch um die Rechte der Bürger im Gebiet der Grafschaft von Hauenstein. Mit den acht Einungen, für die ein Redmann (Sprecher aller Einungen) für die Rechte beim herrschaftlichen Waldvogt in Waldshut eintrat, sorgte man für eine ordentliche Selbstverwaltung.

Die Einungsmeister wurden zunächst nur für ein Jahr gewählt. Ein wesentliches Kennzeichen der Einungen war ein von ihnen organisierter Selbstschutz gegen äußere Feinde, die sogenannten Landfahnen der im Jahre 1655, 2059 wehrfähige Männer angehörten. In die Zeit um 1719 bis 1755 fiel ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte der Grafschaft Hauenstein, in die der Aufstand der „Salpeterer“, sowie die Leibeigenschaft gegenüber dem Kloster St. Blasien, fiel, gegen die sich die Einungen zur Wehr setzen mussten.

Diese Einungen, an deren Spitze ein Einungsmeister stand, verschwanden mit dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 und dem Vertrag zwischen Napoleon und Kaiser Franz II. von der Landkarte, denn diese Gebieten fielen an das neu geschaffene Land Baden.

Trotzdem hat auch heute noch jede der acht Einungen ihren Einungsmeister, der bei besonderen Anlässen, wie der 750-Jahr-Feier von Rotzel, in seiner historischen Tracht auftritt, jedoch keine Verwaltungsaufgaben mehr inne hat. Die Geschichte, die von Kriegen, Friedensschlüssen, Vereinigungen und Trennungen nur so gespickt ist, dreht sich offenbar weiter. Während die Erweiterung der EU keine Grenzen zu haben schien, dreht sich das Rad der Geschichte mit dem Austritt von Groß- Britannien aus der EU wieder in eine andere Richtung.

Es ist daher gut, wenn Personen, wie der Alt-Redmann Heinrich Dold, die Geschichte unseres Landes im Auge behält und durch Vorträge daran erinnert, dass die sogenannte gute alte Zeit nicht immer so gut war. Deshalb dankte Ortsvorsteher Manfred Ebner Heinrich Dold für seinen interessanten Vortrag, der auch viele Aussagen enthielt, zum Beispiel dass der „Hotzenplitz“ ein
planbares Unwetter war, über die die Gäste schmunzeln konnten. Beim Festakt der 750-Jahr-Feier, die am 24. und 25. September in Rotzel stattfinden wird, wird Dold ein gern gesehener Gast sein.

Bildtext:
Ortsvorsteher Manfred Ebner (Mitte) dankte dem Alt-Redmann Heinrich Dold (rechts) für seinen kurzweiligen Vortrag über die Grafschaft Hauenstein, den er am Donnerstagabend im Gasthaus Sonne in Rotzel gehalten hat. Einigungsmeister von Hochsal, Claus Tröndle (links) in traditioneller Tracht, der das Treffen organisiert hatte, schloss sich dem Dank an Heinrich Dold an.
Bild: Reinhard Herbrig

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