Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein
in der Badischen Zeitung vom 9.11.2010
LAUFENBURG. Oberhalb der Hauensteiner Kapelle befindet sich ein Kulturschatz: die Burgruine Hauenstein. Die Einungsmeister möchten die Ruine sichern und einen Förderverein ins Leben rufen. In dieser Woche war der Geophysiker Harald von der Osten vom in Esslingen stationierten Landesamt für Denkmalpflege vor Ort, um die Ruine per Georadar zu untersuchen.
Heinrich Dold aus Dogern, Redmann der Meister der Einung Hauenstein und Vorsitzender des Fördervereins zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein, hatte zusammen mit den Einungsmeistern die Initiative ergriffen. Vor drei Wochen befand sich auf der Ruine ein regelrechter Urwald, so dass die Meister die Anlage teilweise vom Gestrüpp befreiten. Das Forstamt fällte zudem einige Bäume. Zwar sind die Mauern im Erdreich recht gut vor dem Verfall geschützt, aber die Baumwurzeln können eine Menge Schaden anrichten, weshalb weitere Rodungen erforderlich sind.
Mit einem Georadargerät hat von der Osten den Grundriss der Burganlage ermittelt. Diese Methode erlaubt es, die im Erdreich verborgenen Mauern, Hohlräume und Kanäle zu erfassen, aus den Aufnahmen dreidimensionale Bilder zu errechnen und die Tiefenschichten sichtbar zu machen. Die Ergebnisse will der Geophysiker in einigen Wochen vorstellen. Aus den Grundrissen können Archäologen Rückschlüsse ziehen, welche Räume die Burg hatte, wer dort lebte und welche Funktion die Burg erfüllte. Eine Datierung ermöglicht der Georadar nicht, daher hofft Dold, dass man einen Brunnen findet. "In den Aufmauerungen sind nämlich oft Jahreszahlen eingemeißelt."
Während an der Nord-, Ost- und Westseite noch Mauern zu sehen sind, die jedoch bei Restaurierungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert ausgebessert wurden, sind von der Südseite nur noch die Fundamente erhalten, da die Steine dieser Mauer nach dem Brand der Stadt Hauenstein Anfang des 18. Jahrhunderts zum Wiederaufbau verwendet wurden. Den Verlauf der Südmauer zu klären, war daher ein besonders wichtiges Anliegen. Die Ergebnisse werden Bertram Jenisch, dem Spezialisten für mittelalterliche Archäologie bei der Denkmalbehörde Freiburg, übergeben. "Was danach geschehen wird, ist noch offen", erklärt von der Osten.
Die Ruine ist im Besitz des Landes, und das Staatliche Hochbauamt hat die Baupflicht. "Leider sind die Mittel begrenzt, und oft reicht das Geld nicht einmal für Notgrabungen", weiß der Geophysiker. Die Einungsmeister möchten daher einen Förderverein gründen, für den sie zurzeit einen Vorsitzenden suchen. Ihr Ziel ist es, weitere Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen, die südliche Stützmauer wiederherzustellen und die Zugangswege zwecks touristischer Erschließung zu verbessern. Eine Initiative zu Erhalt und Reaktivierung der Ruine hatte 2006 schon der Rotzler Paul Ebner ergriffen.
Bereits jetzt kann man sich einen Eindruck von der Burgruine verschaffen. "Sie ist über hundert Meter lang und übertrifft damit die Küssaburg", so Dold. Möglicherweise befand sich im Osten eine weitere Burg, wie Archäologen anhand von Luftbildern vermuten, und außerhalb der Nordmauer war offenbar eine Ringmauer. Die Burgruine ist 1108 urkundlich erwähnt. Mitte des 16. Jahrhunderts sprach man von der Grafschaft Hauenstein, der die Einungen Dogern, Birndorf, Höchenschwand, Wolpadingen, Görwihl, Rickenbach, Hochsal und Murg angehörten. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg dem Verfall preisgegeben.
Autor: Michael Gottstein
Bildtext:
Per Georadar untersuchen der Geophysiker Harald von der Osten (rechts) und Einungsmeister Heinrich Dold die Burgruine. Foto: Michael Gottstein