Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein
im Alb Bote vom 12.10.2011

Dogern (lid) Zwei Schösslinge eines Lindenbaums, in der dritten Baumgeneration Abkömmlinge der bekannten Murtenlinde, erhielt vor kurzem die Arbeitsgemeinschaft „Historische Einungsmeister“ mit Redmann Heinrich Dold an der Spitze. Überbringer waren Pater Hugo Heule sowie die Brüder Karl Elsasser und Kilian Steiner vom Redemptoristenkloster in Matran/Schweiz. Zustandegekommen war der Kontakt über Siegfried Gamp aus Gurtweil. Bei der Übergabe anwesend war auch Bürgermeisterstellvertreter Martin Kistler. Den geschichtlichen Zusammenhang erläuterte Paul Eisenbeis (Görwihl). Im Jahre 1476 fand bei Murten (Kanton Fribourg) die Entscheidungsschlacht in einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen und Karl dem Kühnen statt, dem nach einer Großmachtstellung strebenden Burgunderherzog. Auf der Seite der Schweizer kämpfte auch eine Abteilung Hotzenwälder Soldaten (Landfahnen der Grafschaft Hauenstein), die von Herzog Siegmund, Regent über die habsburgischen Gebiete am Hoch- und Oberrhein, in den Krieg beordert worden waren. Obwohl Karl der Kühne über eine gewaltige Streitmacht mit 5 000 Bogenschützen und 1 000 Kanonen verfügte, trugen die Eidgenossen den Sieg davon.
Laut Legende überbrachte ein Bote die Siegesnachricht in das 17 Kilometer entfernte Fribourg. In der Hand hielt er den Ast eines Lindenbaumes, den er auf dem Schlachtfeld abgebrochen hatte. Er vermochte gerade noch das Wort Sieg auszurufen, ehe er vor Erschöpfung tot zusammenbrach. Die auf dem Rathaushausplatz von Fribourg gepflanzte Linde, fortan Murtenlinde genannt, stand bis 1983. Ein Ende fand der inzwischen altersschwach gewordene Baum, als er in diesem Jahr von einem angetrunkenen Autofahrer gerammt wurde. Dem an der Universität Fribourg lehrenden Biologieprofessor Pater Alois Schmid aus Matran gelang es jedoch, durch die Aufzucht eines Schösslings den Weiterbestand zu gewährleisten. Pater Schmid ist auch in Dogern kein Unbekannter, weilte er doch immer wieder bei Urlaubsvertretungen für Pfarrer Hermann Schlatterer im Dorf. Die jetzt nach Dogern überbrachten Schösslinge entstammen dieser neuen Linde. Die Dogerner Schösslinge kommen zunächst in die Obhut eines Gärtners und werden später zur Erinnerung an den Einsatz der Hotzenwälder (Grafschaft Hauenstein) in der Schlacht bei Murten an einem noch zu bestimmenden Ort eingepflanzt.
Bildtext:
Die Arbeitsgemeinschaft Historische Einungsmeister freut sich über zwei Abkömmlinge der legendären Murtenlinde. Von links: Hans Gassmann, Paul Eisenbeis, Bruder Kilian Steiner (Matran), Heinrich Dold und Günter Häring.
Bild: Lins