Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauensteine

Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

in der Badischen Zeitung vom 28.10.2013

Vortrag an historischem Ort

Norbert Schäuble referiert in Immeneich über das Albtal innerhalb der Grafschaft Hauenstein.

ST. BLASIEN / DACHSBERG. Dicht gedrängt saßen die Zuhörer im Adler in Immeneich zum Vortrag über "Das Albtal innerhalb der ehemaligen Grafschaft Hauenstein". Referent Norbert Schäuble stellte sich als Einungsmeister der gewesenen Einung Wolpadingen vor und bezeichnete den Vortragsort als einzigartigen historischen Platz, war doch die Niedergerichtsbarkeit im Jahr 1597 von Wolpadingen eben dorthin verlegt worden, wo auch die Musterung für die Landfahne, die Milizarmee der Hauensteiner, stattfand.

Schäuble, selbst vom Ratschreiberhof in Wolpadingen, der sich seit 1715 im Familienbesitz befindet, konnte seinen Stammbaum mit einer Reihe weiterer Vorfahren im Görwihler Raum bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Sein historisches Interesse war auch ausschlaggebend dafür, das Amt des Einungsmeisters für "Taxberg" im Jahr 2009 von seinem Vorgänger Fritz Denz zu übernehmen, der es seit der Wiederbelebung der Einungen anlässlich des Doppeljubiläums 1000 Jahre Vorderösterreich und 625 Jahre Hauensteiner Einung im Jahr 1996 inne gehabt hatte. Der aktuelle Vortrag nun war, wie Redmann Heinrich Dold in seinem kurzen Dankeswort erklärte, Schäubles Jungfernrede innerhalb des Vereins zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein, der die Geschichte der Einungen aufarbeitet und in Dogern wieder eine Einungsmeisterstube eingerichtet hat. In der befindet sich das Archiv einschließlich der historischen Lade sowie einer Waffenkammer.

Schäuble referierte zunächst über die Landnahme und beginnende Besiedlung seit der Römerzeit, die Ausweitung des Klosterbesitzes von St. Blasien einerseits und die Etablierung der Tiefensteiner in Neuenzell (Ibach) andererseits, sowie die Rolle, die Rudolf von Habsburg bei dessen Zerstörung und Wiederaufbau spielte. Anhand eines Vergleichs von alten und neuen Darstellungen belegte er anschaulich, dass die Besiedlung interessanterweise zunächst auf der Hochfläche stattgefunden haben muss. Die ebenen Flächen entlang der Alb, aber auch oben auf dem Dachsberg waren früher weitgehend offen und wurden landwirtschaftlich genutzt. Der Wald beschränkte sich auf die Steillagen. Die erste urkundliche Erwähnung Wolpadingens stammt aus dem Jahr 1266, die ersten Beurkundungen für das Albtal finden sich rund 50 Jahre später.

Um das Jahr 1300 bildete sich der Zusammenschluss der acht Einungen Rickenbach, Murg, Hochsal, Birndorf, Dogern, Görwihl, Höchenschwander Berg und Wolpadingen mit ihrer einzigartigen Rechtsstellung und ihrem speziellen Eigenleben. Die Grenzen der Wolpadinger oder auch Taxberger Einung verliefen entlang des Ibachtals bis Lindau, von dort über Ibach direkt oberhalb der Kirche vorbei bis Ruchenschwand und mitten durch Wittenschwand hindurch weiter hinunter nach Niedingen. Immeneich gehörte bereits zur Einung Höchenschwander Berg.

Die Einungsmeister wurden jährlich am Georgstag, also am 23. April, nach dem Gottesdienst unter freiem Himmel gewählt. Sie hatten die Aufgabe, die Steuern festzusetzen und einzutreiben. Eine Woche später wählten die Einungsmeister ihren Sprecher, den Redmann. Die Einungsmeister besaßen Stimmrecht bei den Landständen in Freiburg als Vertreter des dritten Standes, nach Adel und Klerus. Das Amt des Einungsmeisters genoss hohes Ansehen und wurde oft von Müllern, Gastwirten oder Großbauern ausgeübt. Der vermutlich letzte Einungsmeister von Taxberg war Andreas Böhler aus Niedingen. Er starb im Jahr 1823.

Mit Hilfe der Einungen konnten die Habsburger nicht nur ihre Präsenz in dem weit entlegenen Teil ihres Herrschaftsbereichs auf ein Minimum beschränken, die über die Einungen rekrutierte Landfahne war mit zeitweilig bis zu 1000 Mann auch ein beachtliches Verteidigungsinstrument. Hierzu gehörte auch die Anlegung eines Hagwaldes überall dort, wo nicht in Form von tiefen Taleinschnitten ohnehin natürliche Barrieren existierten. Dieser Hagwald oder Landhag wurde bei Bedarf umgeschlagen, um dem Feind das Eindringen zu erschweren. Mit dem Frieden von Pressburg am 26. Dezember 1805 endete die österreichische Herrschaft in der Grafschaft Hauenstein und damit verschwanden auch die Einungen.

Der rund 90 Mitglieder zählende Verein zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein hat seinen Sitz in Dogern. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unterlagen zu sammeln, die Geschichte der Einungen zu erforschen und die Erkenntnisse publik zu machen. Ansprechpartner des Vereins ist Redmann Heinrich Dold, Tel. 07751-2323.

Bildtext:
Norbert Schäuble, Einungsmeister der gewesenen Einung Wolpadingen, referierte zum Thema „Das Albtal innerhalb der ehemaligen Grafschaft Hauenstein“ über die Geschichte der Einungen. Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

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