Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

im Alb Bote vom 13.3.2014

Viele Pläne zum Jubiläum von Birkingen und Birndorf

Verein Grafschaft Hauenstein plant Leiterwagen-Fahrten und weitere Aktivitäten. Paul Eisenbeis referiert über Richtstätten.

Dogern (lid) Auf ein arbeitsintensives Jahr blickte der „Verein zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein“ bei seiner Hauptversammlung im Hirschen in Dogern zurück. Unter anderem erinnerte der Vorsitzende und „Redmann“ Heinrich Dold (Dogern) an die Erstellung der Chronik 1200 Jahre Birkingen und Birndorf durch Markus Jehle, Paul Eisenbeis und Dold selbst, die derzeit mit einer Auflage von 600 Exemplaren zum Verkauf angeboten wird. Ferner beschaffte sich der Verein zwölf Bücher zur Geschichte der Grafschaft, organisierte sieben Führungen in der Einungsstube und in der Waffenkammer im Dogerner Hirschen und lud zu vier Vorträgen ein. Die Exponate in der Waffenkammer erfuhren mit zwei Vorderladergewehren eine Ergänzung.

Im Mittelpunkt des Jahres 2014 werden mehrere Aktivitäten zum 1200-jährigen Bestehen der Dörfer Birkingen und Birndorf stehen. Unter anderem lädt der Verein an allen Samstagen im August zu Fahrten mit dem Leiterwagen zwischen Schadenbirndorf und Kuchelbach ein. Auf dem Programm stehen ferner mehrere Vorträge und eine Ausstellung. Darüber hinaus wird das Jubiläumsbuch aus dem Jahre 1996 in überarbeiteter Form neu herausgegeben. Für 2015 und 2016 kündigte der Redmann Forschungsarbeiten zu historischen Mühlen und Gasthäusern an. Mit einem Kompliment an den Verein wartete Dogerns Bürgermeister Matthias Guthknecht auf. „Sie engagieren sich gegen das Vergessen“, stellte er fest.

In der ihm eigenen spannenden Art referierte Paul Eisenbeis (Görwihl) zum Thema „Gerichte und Richtstätten in der Grafschaft Hauenstein“. Er unterschied zwischen Niedergerichten (auch Frevelgerichte) und Hochgerichten. Erstere, besetzt mit gewählten Richtern und zwei oder mehreren Einungsmeistern, befassten sich zur Hauptsache mit notariellen Angelegenheiten, Beleidigungen und Streitigkeiten ohne Blutvergießen. Die Strafen bestanden in Geldbußen, Arrest bei Wasser und Brot oder Arbeiten im Straßenbau. Den Hochgerichten gehörten der Waldvogt (vergleichbar mit dem heutigen Landrat) als Vorsitzender und mehrere gewählte Richter und Einungsmeister an. Ketzerei, Zauber- und Hexenwerk, Beraubung der Kirche, Landfriedensbruch, Gotteslästerung, Diebstahl, Mord und schwere Körperverletzung waren einige der Verhandlungsgegenstände. Nicht selten wurde der Delinquent zum Tode verurteilt.

Die Hinrichtung erfolgte an bestimmten Richtstätten. „Eine solche dürfte sich in jeder Einung befunden haben“, so Eisenbeis, „darauf weisen Flurnamen wie Galgenhölzle, Galgen, Galgenmatt oder Galgenrain hin.“ Immer wohnten einer solchen Hinrichtung zahlreiche Bewohner bei. Als Beispiel nannte Eisenbeis eine solche im Jahre 1739 in Albbruck: „Bei der „Verwechslung vom Leben zum Tod“ von fünf Rädelsführern der Salpetererbewegung waren nicht weniger als 4000 Zuschauer anwesend.“

Bildtext:
„Bei der Verwechslung vom Leben zum Tod von fünf Rädelsführern der Salpetererbewegung waren nicht weniger als 4000 Zuschauer anwesend.“
Paul Eisenbeis über Hinrichtungen

 

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