Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein
im Alb Bote vom 30.11.2010
Dachsberg Der Staatswald St. Blasien ist um rund 16,6 Hektar größer geworden. Das fast unbewirtschaftete Waldstück auf Urberger Gemarkung ist hochwillkommen, da es eine Lücke schließt. Rund 350 Hektar zusammenhängender Landschaftswald wurden nun zusammengefügt. Angekauft hat der Forstbezirk St. Blasien das Waldstück von dem Freiburger Land-, Forstund Energiewirt Nikolaus Freiherr von Gayling-Westphal. Gestern wurde der Kaufvertrag im Notariat in St. Blasien besiegelt und im Anschluss im Albtalblick in Häusern gefeiert.
Das Waldstück am Distrikt Lehenkopf soll unter anderem naturschützerischen Zwecken dienen. Durch den Kauf werde jetzt auch die Erschließung nördlich liegender Privatwaldparzellen durch einen Weg möglich, freut sich Johannes Stowasser, Leiter des Forstbezirks St. Blasien. Seit 100 Jahren ist die Parzelle 1305 mit dem Gewannnamen Urhalde weitgehend ungenutzt. Es sei ein wirklicher Urwald, meinte Freiherr von Gayling-Westphal in seiner Ansprache.
MdL Walter Krögner (SPD), der den Neuerwerb mitfeierte, fand seinerseits dass der Forstbezirk St. Blasien mit dem neuen vernetzten Landschaftswald dem von Naturschützern geforderten Schutzwald-Anteil von fünf Prozent nun ziemlich nahekomme. Krögner ist Berater des Barons für dessen Liegenschaften in Freiburg. Beide Männer gehören dem Stadtrat Freiburg an und werden im nächsten Jahr im gleichen Wahlkreis für den Landtag kandidieren Walter Krögner für die SPD, Nikolaus von Gayling-Westphal für die FDP.
Dachsbergs Bürgermeister Helmut Kaiser fand den Neuerwerb von rund 16,6 Hektar Wald „ein gutes Stück“ und wies auf die nützlichen Funktionen der Zusammenführung im ökologischen Bereich hin. Zehn Jahre lang haben die Verhandlungen mit Unterbrechungen gedauert, bis der Verkauf schließlich zustande kam. Ursprünglich wollte Freiherr von Gaylingen-Westphal das Grundstück in Urberg gegen ein anderes auf Buchenbacher Gemarkung tauschen. Da das bis zuletzt nicht möglich war, verkaufte er die Parzelle schließlich dem Forstbezirk St. Blasien. Nach dem Verkauf besitzt der Baron in Dachsberg jetzt noch rund 20 weitere Hektar Wirtschaftswald in zwei Grundstücken in Wolpadingen und Wittenschwand.
Zu dem Besitz kam die Familie, nachdem die Nationalsozialisten kriegswirtschaftlich bedingt Besitzungen der Gayling-Westphals in Freiburg zwangsweise angekauft, also faktisch enteignet hatten. Als Entschädigung bekamen sie die beiden Distrikte in Wolpadingen und Wittenschwand. Den Distrikt in Urberg kaufte Nikolaus von Gayling-Westphal später selbst hinzu.
Neben den Besitzungen in Dachsberg ist Nikolaus von Gayling-Westphal dem Raum St. Blasien durch seine Mitgliedschaft im Menzenschwander Winterhalter-Verein verbunden. Vier Winterhalter-Aquarelle aus Familienbesitz hat er dem Museum als Leihgabe überlassen. Malerische Farbtupfer bei der Feier setzten drei Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein sowie Markus Jehle vom Vorstand des Förderkreises Grafschaft Hauenstein in ihren Trachten. Redmann Heinrich Dold aus Dogern hielt einen geschichtlichen Vortrag über das besondere Verhältnis der Einung zum benachbarten Zwing und Bann des Klosters St. Blasien. Dann begann der gemütliche Teil des Geschäftsabschlusses.
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Grund zur Freude beim Leiter des Forstamtes St. Blasien Johannes Stowasser (links) und Verkäufer, Nikolaus Freiherr von Gayling-Westphal. BILD: SFIZ