Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

Förderverein zur Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein

im Alb Bote vom 24.5. 2012

Geschichtsstunde mit Altbürgermeister

Werner RautenbergWerner Rautenberg beweist gute Geschichtskenntnisse. Großer Erfolg bei heimatkundlichem Vortrag in Höchenschwand

Zu einem Besuchermagneten wurde der heimatkundliche Vortrag von Altbürgermeister Werner Rautenberg zur Grafschaft Hauenstein mit der Einung Höchenschwand im Haus des Gastes.

Werner Rautenberg, der an diesem Abend auf Wunsch des ebenfalls anwesenden Vorsitzenden der Einungsmeisterversammlung, Redman Heinrich Dold, in der Tracht eines Einungsmeisters erschienen war, stellte in seinem ersten Teil des Vortrages die wohl für das 13. Jahrhundert einmalige Rechtstellung der unter der Schirmherrschaft der Freiherren von Tiefenstein geförderten „Rodungssiedler“ in der Grafschaft Hauenstein dar. Im Gegensatz zu den Leibeigenen im Zwing und Bann des Klosters St. Blasien durften diese sich selbst verwalten, hatten das Recht der Freizügigkeit, konnten vor einem eigenen Freigericht erscheinen und über ihr Hab und Gut frei verfügen.

Die Grafschaft Hauenstein sei aus organisatorischen Gründen in die Einungen Dogern, Birndorf, Wolpadingen, Höchenschwand, Görwihl Rickenbach, Hochsal und Murg aufgeteilt worden. Diesen stand ein frei gewählter Einungsmeister vor. Eine Rolle als Grenze habe dabei die Alb gespielt. Werner Rautenberg verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Ort Höchenschwand nicht zur Einung Höchenschwand gehört habe, sondern zum Zwing und Bann des Klosters St. Blasien. Dieser historische Unterschied sei auch noch in den ersten Jahren seiner Amtsführung in der Gemeinde Höchenschwand zu spüren gewesen. Denn die Gemeinden des sogenannten „Unterberges“ hatten ja zur Einung Höchenschwand gezählt.

Spannend die Schilderung der Salpetererunruhen (1726 bis 1755) durch Werner Rautenberg. Unter ihrem Anführer Hans Fridli Albiez von Buch hätten sich die Salpetersieder – daher der Name der Bewegung – gegen die Macht- und Expansionspolitik des Klosters St. Blasien aufgelehnt, was zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den „Unruhigen“ und den „Ruhigen“ geführt habe. Die Zusammenstöße mit den Regierungstruppen hätten viel Not und Leid über das Land gebracht. Bemerkenswert sei aber in diesem Zusammenhang der sogenannte Loskauf aus der Leibeigenschaft des Klosters St. Blasien gewesen. Für 58 000 Gulden hätten sich die Hauensteiner von der Leibeigenschaft des Klosters St. Blasien freigekauft, eine für heutige Verhältnisse unvorstellbare Summe. Rückschläge für die Grafschaft Hauenstein hätten die Revolutionskriege im 17. und 18. Jahrhundert gebracht, so Werner Rautenberg.

Nach dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 habe die österreichische Herrschaft in der Grafschaft Hauenstein geendet. Durch einen Vertrag zwischen Napoleon und Kaiser Franz II sei die Grafschaft am 30. Juni 1806 an das Land Baden gefallen. Zum Abschluss stellte Redman Heinrich Dold den im Jahre 2009 gegründeten Verein zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein vor und warb für eine Mitgliedschaft.

Bildtext:
Altbürgermeister Rautenberg bei seinem Vortrag in der Tracht eines Einungsmeister in der Grafschaft Hauenstein. Bild: pichler

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